ABRISS DER GESCHICHTE VON COSTITX

In der Gemeinde Costitx wurden in jüngster Zeit wieder archäologische Überreste gefunden. Im Verhältnis zu seiner Fläche ist Costitx eines der Dörfer Mallorcas mit der höchsten Dichte an archäologischen Überresten. Die Funde befinden sich weit verstreut um den Stadtkern herum. Man kann hier verschiedene Typologien erforschen. Besonders herausragend ist aber das Santuario de Son Corró, das aufgrund der Funde die hier gemacht wurden, uns Aufschluss über das Leben der Menschen gibt, die hier seit der Vorzeit bis in die römische Zeit lebten.

Zur Zeit der Römer begann man mit dem Weinbau und dem Anbau von Getreide, was in der darauffolgenden Epoche der Araber weiter intensiviert wurden. Costitx gehörte zusammen mit Sencelles, Santa Eugènia, Santa Maria, Consell, Binissalem und Alaró zum juz’ islámico de Qanarusa (Canarrossa). Damals siedelte hier der Berberstamm der Zanata. Über die islamische Zeit gibt es wenig Information. Bedeutend sind hier die Keramikfunde, der Bau von Brunnen wie Sa Sínia oder der Brunnen von Castell d’Amós und die Erweiterung des Ackerbaus, der Viehzucht und des Gartenbaus. Außerdem die wachsende Bedeutung von Leinen, Hanf, der Feigenbäume, Johannesbrotbäume, der Kaktusfeige und der Schafzucht. All dies machte diese Gegend zu einem sehr ertragreichen Gebiet beim Ackerbau und der Viehzucht.

Als 1229 Jaume I Mallorca eroberte, stieß er auf wenig Widerstand und bei der Verteilung der Ländereien 1232 wurde der Bezirk von Canarrossa dem Vizegrafen von Bearn, Gastó de Montcada übertragen. Später fiel die Alquería (Hof) von Costitx an Arnau de Santacília. 1458 wurde die Alquería von Bernat de Berga gekauft. Es bleibt noch zu erwähnen, dass nach der Conquista Costitx Pfarrbezirk für die gesamte Gemeinde von Canarrossa wurde. Zwischen den Jahren 1236 und 1238 baute Arnau de Santacília die Kapelle Nuestra Señora de Costitx. Die geografische Lage von Costitx, am Rande des Bezirks, führte dazu, dass das Zentrum der Pfarrei bald nach Sencelles verlegt wurde, womit eine gewisse politische und religiöse Abhängigkeit von Sencelles begann. Die Kapelle Nuestra Señora de Costitx wurde erhalten (1449 neu erbaut).

Die sozialen Unruhen im 15. und 16. Jahrhundert waren kaum von Bedeutung. Trotzdem existieren Dokumente im Zusammenhang mit der Revuelta foránea (Rebellion) aus dem Jahr 1450, aus denen hervorgeht, dass die Gemeinde von Sencelles für die Schäden, die bei den Bürgern angerichtet wurden, aufkommen musste. Im 17. Jahrhundert gab es zwischen Costitx und Sencelles Spannungen, die schließlich der kirchlichen Kurie vorgetragen wurden, die zugunsten von Costitx entschied. Ein Jahr später wurde Costitx die Erteilung der heiligen Sakramente gewährt und man feierte die ersten Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen. Der Stadtkern bestand damals aus 121 Häusern. Dazu kamen noch weitere in Binitat, Jornets und Ruberts.

Vor diesem Hintergrund und aufgrund des Bevölkerungswachstums wurde der Wiederaufbau der Kirche notwendig, mit dem 1695 begonnen wurde. Am 15. November 1706 wurden die Arbeiten beendet. Die Folge des Spanischen Erbfolgekrieges zwischen Erzherzog Karl von Österreich und Philipp V war ein Dokument aus dem Jahr 1715, in dem die Kapitulation vor Philipp V verkündet wurde, und das den Erlass des Decreto de Nueva Planta zur Folge hatte, was die Insel einem stark zentralistischen, monarchischen System unterwarf. Mit der Verfassung von Cádiz im Jahr 1812 wurde in den Gemeinden ein neues Regierungssystem eingeführt. So wurde das Dorf Costitx zum ersten Mal unabhängig von Sencelles. Der erste Bürgermeister unter der neuen Konstitution wurde Joan Vallespir –Dalmau.

Mit der Abschaffung der Konstitution im Jahr 1814 verlor Costitx seine Unabhängigkeit. Es gab keine politischen oder ideologischen Spannungen, aber ein gewisses Mistrauen gegenüber der neuen Situation, denn man verlor die erreichten Verbesserungen und die Abhängigkeit von Sencelles wurde erneuert. 1820 besaß Costitx wieder ein eigenes Rathaus, das sich auf das Regierungssystem stützte, das in der Zeit des Trienio Liberal (die drei Jahre von 1820 bis 1823) eingeführt wurde. Die Bürgermeister waren damals Antoni Vallespir –Dalmau und Pere Amengual -Quiam.

Die Unabhängigkeit wurde von Sencelles, das wirtschaftliche Motive geltend machte, nicht unterstützt. So entstanden zwei Parteien, die Costitxers und die Sencellers, die mit Hilfe von Berichten an den Provinzialrat jeweils ihre eigene Position festigen wollten. Das unheilverkündende Jahrzehnt (1823-1833), das die Regierungszeit von Fernando VII charakterisierte, brachte wieder die alte Situation der Abhängigkeit Costitxs von Sencelles mit sich. Dieses Mal waren die Spannungen zwischen den beiden Städten stärker.

1845 reichte Costitx eine Petition zur Gründung eines eigenen Rathauses ein. 1855 gab der Provinzialrat dem Drängen schließlich nach und verfügt die Trennung der beiden Gebiete. Am 4. Februar 1858 erließ Königin Isabel II einen königlichen Erlass, in dem die Unabhängigkeit von Costitx verfügt wurde. Zwischen 1858 und 1868 unternahm Costitx verschiedene Versuche, die Dörfer um die Stadt herum an sich zu binden. Dies gelang nicht und schließlich gingen sie für Costitx verloren.

Das neue Rathaus musste gemietet werden, bis man 1866 schließlich ein eigenes Rathaus erwarb. Das politische Leben beschränkte sich im 19. Jahrhundert auf Machtwechsel zwischen den Konservativen und den Liberalen und es wechselten sich Martí Amengual Alenyar und Sebastià Amengual de Haro im Amt des Bürgermeisters ab. Im Jahr 1899 bildete man das Komitee der Unión Republicana, das in den Wahlen von 1901-1903 eine beachtliche Zahl von Stimmen erreichte. 1907 rief man den Círculo de Obreros Católicos (Kreis der katholischen Arbeiter) ins Leben. Die Tatsache, die schließlich zur definitiven Unabhängigkeit Costitxs von Sencelles führte, war als Costitx 1913 zur Pfarrei erhoben wurde.

1924 während der Diktatur unter Primo de Rivera wurde die Unión Patriótica von Costitx gegründet. Die Bonzokratie, die in der Zeit der Restauration herrschte, dauerte weiter an und spielte bei der Wahl der lokalen Repräsentanten in der 2. Republik eine Rolle. 1931 wurde das lokale Komitee der föderalen republikanischen Republik von Mallorca gegründet.